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[Automaatisk auerdraanj]

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des Volksmundes nicht mehr sprudeln wird, so ist es von Wichtigkeit
alles, was bisher in dieser Sprache aufgezeichnet worden ist, für die
spätre Forschung zu bewahren. Ich gebe deshalb hier eine, wie ich
glaube aussprechen zu dürfen, vollständige a.-f. Literaturübersicht*);
wenigstens ist dieselbe so vollständig, wie es heute nur im Bereich
der Möglichkeit liegt eine solche zu geben. Da fast alles Gedruckte
kaum allgemein zugänglich ist, sondre ich in der folgenden Übersicht
nicht das Gedruckte von dem Geschriebnen. Ich habe von allen
namhaft gemachten, weniger zugänglichen Sachen, soweit ich sie nicht
erwerben konnte, Abschriften genommen, und zwar, soweit möglich,
vom Original. Die folgende Übersicht über die Sprachdenkmäler macht
Anspruch auf Vollständigkeit; nur wo in Erzählungen oder Reise-
schriften ein Paar schon anderweitig gedruckte Wörter und Sätze
wieder abgedruckt, sind, durfte ich mir die Anführung ersparen. Hin-
sichtlich des in grammatischen Schriften enthaltnen Sprachstoffs ver-
weise ich auf § 20 und 21.

Eine Ausgabe aller amringisch-föhringischen literarischen Er-
zeugnisse, welche inhaltlich von Wert sind, ist von mir in Vorbereitung.

I. Amringisch und föhringisch.

Gleichmässig Eigentum von Amrum und Föhr, ohne dass der
Ursprung sich feststellen Hesse, sind:

1. die sehr zahlreichen a.-f. Sprichwörter aus alter und neuer
Zeit sowie die sehr alten Wiegenlieder und Kindersprüche. Die-
selben sind grösstenteils auch auf Süd und in Nordfriesland, zum Teil
auch in Norddeutschland bekannt. Sie sind, mit deutscher Über-
setzung, am vollständigsten an drei Stellen zu finden: a) in der 1846
abgeschlossnen Sammlung des Amrumer Pastors Mechlenburg, Nr. 3*
(Übersetzung 3b) seines Nachlasses auf der Stadtbibliothek zu Hamburg,
grösstenteils, aber nicht fehlerlos, abgedruckt in Haupt's Ztschr. VIII
1851, S. 350 — 374; b) bei Johansen, Nordfriesische Sprache, überall
im ganzen Buch verstreut; c) in der Sprichwörtersammlung von Nissen,

  • ) Die Literatursprache war nach der lateinischen die plattdeutsche und ist

jetzt die hochdeutsche. Daher ist weitaus das Meiste, was Amringen und Föhringen
niedergeschrieben haben, plattdeutsch und hochdeutsch abgefasst. Hier kommen
nur die Erzeugnisse der Landessprache in Betracht. Es sind, soweit nicht Über-
setzungen, vielfach Gelegenheitsgedichte. Doch giebt es immerhin eine ganze
Anzahl
recht netter neuerer Gedichte, sogar eine Art von Lustspiel (IV, 3, c), dazu
viele Prosa-
stücke, d ü n t' j i s (n) (Erzählungen). Die bekanntern Gedichte, lit'j in, lie
tn, werden
gesungen — meist beim Punsch — , und zwar nach der Weise von deutschen Volks-
und Studentenliedern, sind also in dieser Form amringisch-föhringische
Volkslieder
heute zu nennen. Das meiste Interesse beanspruchen zwei ältre Volkslieder: Etwa
aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts stammt das heute nur im östlichen Föhr
noch lebendige, aber auch hier veraltende Lied von Trint'j^' sen Drüy S6zn
brsed-
lsepsdäoi (V, 21). Gänzlich veraltet und so gut wie völlig unbekannt ist das
hochwichtige alte Tanzlied M bäoi ae redr (V, 13), welches, nur unvollkommen
erhalten, aus dem 15. Jhdt. stammt. Gedruckt ist von a.-f. Literatur das aller-
wenigste, aufgeschrieben das meiste; vieles lebt aber auch nur im Volksmund
fort.
— Das meiste literarische Leben herscht auf Föhr; der Amringe lebt einsamer.