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[Automaatisk auerdraanj]

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da noch nach der Weise der Alten spricht. Selbst hier wird sich im
einzelnen Falle die Erklärung aus den Verhältnissen ergeben: Wer
verhältnismässig jung noch der altern Sprechart folgt, hat meist im
Elternhause gelebt; wer verhältnismässig alt jungem Lautwandel zeigt,
der ist in späten Jahren auf die Schule gekommen und hat sehr viel
mit Jüngern verkehrt*). — Tatsächlich sind hinsichtlich der wesent-
lichsten mundartlichen Schwankungen innerhalb des Aosdringischen
überall die gleichen Ansätze zur Ausgleichung vorhanden; nur sind die
Altersstufen für die neuere gleichartige Sprechweise in den einzelnen
Dörfern verschieden. In einigen Jahrzehnten wird die aosdringische
Mundart wieder eine einheitliche sein.

§ 14. Die wichtigsten mundartlichen Unterschiede zwischen arar.,
wehsdr. und aosdr. sind die folgenden:

1) Das Hauptkennzeichen des Amr. ist die Vertretung des an-
lautenden (ausser vor r) und auslautenden germ. durch s. Föhr.
ist das anlautende zu einem an den Zähnen gesprochnen t geworden,
und dies ist im Osten jetzt grösstenteils in alveolares t übergegangen;
das auslautende 9 ist wehsdr. erhalten und zum Teil auch noch aosdr.,
geht hier aber meist in s über. Beispiele: a. särap Dorf = f. tärap,
täorap; a. süset Lärm = f. tuet; a. säu waschen = w. tau; a. seak
denken = f. te»k; a. düses Tod = f. düeö, aosdr. dües; a. tus
Zahn — f. tuö, aosdr. tus.

2) 9j ist amr. zu s', föhr. zu t'y' (aosdr. vor i zu t) geworden;
als Mittelstufe ist natürlich 8^' (amr. s^') vorauszusetzen. Beispiele:
a. s'ok dick = f. t'y'ok; a. s'isk deutsch = w. t'^'isk, aosdr. tisk.
Vgl. a.-w. t'^'in zehn = aosdr. tin.

3) Germ. zwischen Vokalen erscheint amr. als z, föhr. als X,
im Osten in z, gutturales interdentales 1, gutturales_l, palatales 1 und
d gespalten. Beispiele: a. bäzi baden — f. bä&i, aosdr. bäozi,
bäoli, bäodi; a. liz leiden = f. liS, aosdr. Hz, 111, lid; a. tufrez
zufrieden = f. tufreS, aosdr. tufrez, tufrel, tufred.

4) Inlautendes germ. Or ist amr. dr, föhr. lr (mit gutturalem
interdentalen 1), das sich im Osten in lr (mit teils gutturalem, teils
palatalem 1) und dr gespalten hat. Beispiele: a. brudr Bruder =
f. brulr, aosdr. brudr; a. vedr wieder — f. velr, aosdr. vedr; a.
ödr andrer = f. ölr, ölr, aosdr. 8dr.

5) Föhr. auslautendes v sprechen die Amringen als u (ö). Beispiele:

  • ) Hieraus folgt ein sehr wichtiger methodischer Wink für die chronologische

Bestimmung überlieferter Sprachdenkmäler auf Grund bestimmter Lauterscheinungen;
denn jeder gesetzmässige Lautwandel vollzieht sich meines Erachtens nicht in der
Sprache des Einzelnen, sondern nach Generazionen. Wenn wir z. B. in einem ahd.
Sprachdenkmal 50 6 und 10 oa finden, in einem andern 10 6 und 50 oa, so hat
man bisher gefolgert, dass erstres Denkmal in demselben Maasse älter sein müsse,
in welchem der Lautwandel 6: oa zur Zeit vorgeschritten war. Hierin liegt ein
methodischer Fehler. Vielmehr können beide Denkmäler im selben Jahre geschrieben
sein, vielleicht letztres sogar ein Paar Jahre früher als jenes. Zu folgern ist
aus
der Bevorzugung der Schreibung 6 nur, dass der Schreiber um so viel Jahre früher
geboren war als der o a - Schreiber, wie die Entwicklung dieses Lautwandels
geschah.